zum letzten Artikel                                                                       zum nächsten Artikel

Grimme-Preis an Annemarie Schoenle

Poinger Autorin erhält den renommiertesten Fernsehpreis für die Serie ,,Nur eine kleine Affäre"

Ebersberger Zeitung, 21.03.1995

 

Poing (icb) - Am Freitag Abend wurde der 31. Adolf-Grimme-Preis im westfälischen Marl verliehen. Beim Wettbewerb um den „TV-Oskar", der ein Gütesiegel für Qualität und Popularität im deutschen Fernsehen darstellt, wurde die fünfteilige ZDF Serie „Nur eine kleine Affäre", die im Herbst 1994 gesendet wurde, ausgezeichnet. Annemarie Schoenle aus Poing schrieb den frechen, beschwingten Roman, der die Idee zu der Serie lieferte. Für das Drehbuch, das die Autorin, die erst auf Umwegen zur Schriftstellerei kam, zusammen mit Thomas und Brigitte Wittenburg ausarbeitete, erhielt sie nun die begehrte Stahltrophäe. Außerdem wurden Detlef Rönfeldt für die Regie und Jennifer Nitsch stellvertretend für alle Schauspieler ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit dem Urteil: „Spritzige Dialoge, Witz und Einfallsreichtum lassen die ZDF-Miniserie meilenweit aus dem üblichen Serien- und Soap-Sumpf des deutschen Fernsehens herausragen."

 

EZ: Was hat die „kleine Affäre" ins deutsche Fernsehen gebracht, was vorher nicht da war?

 

Schoenle: Die Story zeichnet sich durch die pointierte Sprache, die ironisch und detailliert gezeichneten Personen mit einem Hang zur Skurrilität aus. Das hebt sie von anderen Serien, die oft voller Klischees stecken, ab. Bei der Hauptfigur Theresa und auch bei der kleinsten Nebenrolle haben wir versucht, Brechungen, also sowohl die guten als auch die schlechten Charakterzüge, zu zeigen. Stundenlang haben wir Drehbuchautoren und der Regisseur die Figuren diskutiert. Ich glaube diese Sorgfalt hat den Preis gebracht. Dann sind auch immer wieder die Dialoge gelobt worden und Detlef Rönfeldt, dem es gelungen ist, den Stoff in eine temporeiche Komödie umzusetzen. Dazu kam, dass Jennifer Nitsch als Teresa eine Idealbesetzung war, und auch all die anderen Schauspieler so gut waren.

 

EZ: Wie geht's weiter, woran schreiben Sie zur Zeit?

 

Schoenle: Fast alle meine Bücher sollen nun verfilmt werden. Ich bin im vergangenen Jahr auf der Produzentenebene entdeckt worden. „Bavaria" dreht einen Film zu „Ringelblume sucht Löwenzahn", eine Komödie, die 1988 erschien. Fast gleichzeitig wird „Verdammt er liebt mich" verfilmt. Und das ZDF will einen 90minütigen Zweiteiler über meinen jüngsten Roman „Eine ungehorsame Frau" drehen. Ich schreibe zur Zeit die Drehbücher.

 

EZ: Wie halten Sie es mit den Privaten?

 

Schoenle: Es war mal ein Angebot von einem privaten Sender da, mit dem ich mich durchaus ernsthaft beschäftigt habe, aber solange die Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Sendern so gut ist, bleibe ich dabei: Dazu kommt, dass ich Komödien schreibe, und SAT1 und RTL eher Melodramen anbieten. Ich beobachte die Privaten sehr genau. Die Gratwanderung zwischen Qualität und Popularität ist bei ihnen immer noch gefährlicher, weil sie direkt für große Zielgruppen anbieten. Ich finde es wahnsinnig traurig, wenn hervorragende Filme wegen zu geringer Einschaltquoten abgesägt werden.

 

EZ: Sind sie jetzt zu einer Drehbuchautorin geworden?

 

Schoenle: Ganz bestimmt nicht. Ich möchte spätestens nächstes Jahr ein neues Buch schreiben. Ich habe sehr lange an „Eine ungehorsame Frau" gearbeitet und mich dabei ein bisschen verausgabt. Eine neue Buchidee reift aber schon.

Interview: Charlotte Becker

zum letzten Artikel                                                                       zum nächsten Artikel