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Der Traum vom Schreiben

Annemarie Schoenle hat sich als Romanautorin durchgesetzt

Ebersberger Zeitung, 21./22.08.2004

 

VON REGINA DECKART Poing - Entspannt lächelnd und braungebrannt sitzt die attraktive Frau mittleren Alters im Café in Poing. Mit sichtlichem Vergnügen beantwortet sie Fragen, erzählt von ihrem Leben, ihrem Beruf. Annemarie Schoenle hat allen Grund entspannt zu sein: Morgen erscheint ihr neuer Roman „Du gehörst mir". Der neunte ist es bereits. Dazu kommen zwei Bände mit Kurzgeschichten und zahlreiche Drehbücher für Fernsehfilme, ein Großteil davon nach Vorlage ihrer eigenen Romane. Damit hat sie erreicht, wovon viele Autoren träumen: Sie hat sich als freie Schriftstellerin durchgesetzt.

 

Eine Zehnjährige setzt sich in den Kopf, Schriftstellerin zu werden. Die Eltern schlagen die Hände über demselben zusammen: „Davon kann man doch nicht leben!" Annemarie Schoenle kann. Auch wenn die geborene Münchnerin sich zunächst von ihren Eltern überzeugen ließ, doch „etwas Anständiges" zu lernen, an der Bayerischen Verwaltungsschule. Der Drang zum Schreiben blieb: „Ich habe privat Kurzgeschichten geschrieben und sie dann Freunden geschenkt, ernsthaft daran gedacht, sie zu veröffentlichen, habe ich nicht."

 

Sie nicht, ein Freund von ihr schon. Der Journalist schickte eine dieser Geschichten an eine Hamburger Literaturagentur, wenig später klingelte bei Schoenle das Telefon. Seitdem arbeitet sie zusammen mit besagter Agentur, 1988 erschien ihr erster Roman bei Droemer Knaur. Schon ein Jahr später war klar: „Ich kann eben doch davon leben".

 

Seit Mitte der neunziger Jahre schreibt Schoenle neben Romanen und Kurzgeschichten auch Drehbücher. Alle ihre Romane wurden bisher verfilmt. Drehbuchautorin Annemarie Schoenle: „Ich habe da inzwischen einen Rhythmus entwickelt: Alle drei Jahre ein Roman, damit bin ich in etwa eineinhalb Jahre beschäftigt, dann wieder ein Drehbuch." Einen Roman schon mit Blick auf ein folgendes Drehbuch zu schreiben, das hält Schoenle aber für gefährlich: „Ich würde der Aufgabe eines Romans, der ja viel mehr Seitenstränge und Nebenpersonen hat als ein Drehbuch, nicht mehr gerecht werden."

 

Auch das neue Buch wird verfilmt. Angebote von Produzenten für ein Drehbuch zu dem noch nicht einmal erschienenen jüngsten Werk der Autorin „Du gehörst mir", liegen dem Verlag trotzdem bereits vor. „Wir werden uns aber Zeit lassen mit der Entscheidung, mit welchem Produzenten wir zusammenarbeiten wollen."

 

Nach fast zehn Jahren als erfolgreiche Drehbuchautorin hat Schoenle mittlerweile ein Mitspracherecht, was die Besetzung ihrer Filme betrifft. Wen sie in den Hauptrollen für „Du gehörst mir" sieht, das weiß sie allerdings noch nicht genau: „Die Besetzung für einen Film ist ein schwieriges Unterfangen. Gute Schauspieler, die noch nicht durch Serien verbraucht sind, sind schwer zu finden in Deutschland."

 

Die Besetzungslisten der bisherigen Filme der Poinger Autorin sprechen für die sorgfältige Auswahl durch Regisseure, Produzenten und Drehbuchautorin: Jennifer Nitsch, Martina Gedeck, Corinna Harfouch, Michael Degen. Sie alle haben schon Schoenles Charaktere verkörpert. Eine beeindruckende Visitenkarte der Wahlpoingerin, der vor allem eines wichtig ist in ihrer schriftstellerischen Tätigkeit: „Ich möchte normale Menschen und ihre Probleme in den Mittelpunkt rücken."

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