Nur eine kleine Affäre

1994

5 x 45 min.

Erstausstrahlung: Juli / August1994 im ZDF

 

Produktion: FFP Freie Fernseh-Film Produktion

Drehbuch: Annemarie Schoenle nach ihrem gleichnamigen Roman, Thomas Wittenburg

Regie: Detlef Rönfeldt

Darsteller: Jennifer Nitsch, Peter Sattmann, Siemen Rühaak, Michael Greiling, Gustav-Peter Wöhling, Xenia Pörtner, Udo Schenk, Karin Boyd, Sissi Perlinger u.v.a.

 

Inhalt

 

Teresa Gärtner wollte schon immer eine Top-Designerin werden. Nach einem abgebrochenen Studium verdient sie ihren Unterhalt erst einmal als Aushilfsnäherin im berühmten Atelier Thalhoff und als Interviewerin für ein Marktforschungsinstitut. Ihr Ehemann Heiner hält gar nichts von Teresas Plänen, und nicht nur darüber kommt es öfter zum Streit. Teresa dagegen versucht alles, um ihre Entwürfe dem renommierten Modeschöpfer Valentin Thalhoff zu präsentieren und bekommt dabei nicht ganz uneigennützige Hilfe von Victor. Thalhoff gibt ihr den Auftrag, probeweise Kostüme für eine Bühnenshow zu entwerfen. Zufällig entdeckt Teresa, dass ihr Mann übers Wochenende mit seiner Kollegin Elke verreist ist und wagt daraufhin mit Victor einen Seitensprung. Mit ihrer Karriere als Modeschöpferin geht es voran

 

Kritiken

 

Der heitere Roman mit Tiefgang (von Annemarie Schoenle) liebevoll in Serienform gezaubert. Pluspunkte: famose Dialoge, vorzügliche Besetzung. Und vor allem Jennifer Nitsch als Teresa, locker, ohne falsche Effekthascherei. Tipp: Weitersehen! [Bild+Funk]

***

Unterhaltungsflaute, wo man auch reinschaute. Nur beim ZDF gab es überraschend so etwas wie einen Sommerhit. Nur eine kleine Affäre hieß die kleine Sensation: das leicht konsumierbare Märchen einer gesunden, unverkrampften Emanzipation. Jennifer Nitsch spielte glaubhaft und sympathisch eine junge Frau, die Pech in der Ehe hat, aber Glück als Modedesignerin. Die dabei zwischen allerlei Beziehungskisten gerät und die sich schließlich - hochschwanger und wohnungslos - einen Vater für ihr Kind ausguckt und mit dem einst eingeschworenen Single sogar glücklich wird. Keine falschen Töne, keine Szene, die zu lange ausgespielt wurde (Regie: Detlef Rönfeldt) - den Hauptspaß machten jedoch die erfrischenden Dialoge von Annemarie Schoenle aus: jungen Menschen aufs Maul geschaut. [Karlheinz Mose, HÖRZU, 08/1994]

 ***

Manchmal vertrauen böse Fernsehredakteure auf begabte Autoren und werden dann mit hübschen kleinen Leichtgewicht-Serien belohnt, die sich angenehm abheben von der Fastfood-Norm der Werbeblock-Pausenfüllerbranche: "Nur eine kleine Affaire"

Auch hier, wie überall, Beziehungsknatsch und Traumberuf-Frust - doch die fünfteilige neue ZDF-Serie „Nur eine kleine Affäre" (nach einem Roman von Annemarie Schoenle, Regie: Detlef Rhönfeldt) hat nicht nur ein genaues Tempo-Timing, sondern auch knappe, witzige Galgenhumor-Dialoge: lauter heiter-ironische i-Dipferl auf dem Lifestyle-Öko- und Karriere-Sehnsuchtsmüll der Mittelklassefrauenträume. Sarkastische Szenchen einer Ehe: Schneiderin Teresa (Jennifer Nitsch) giert nach der Modedesigner-Chance und macht Reklametest-Jobs für Linsensuppe-Konserven - Biologielehrer-Gatte Heiner (Siemen Rühaak) gehört zum Atem-Meditationsheer der Jogger und Müslifresser und zelebriert Gesundheit. Teresas Freundin (Sissi Perlinger) plant Schauspielerruhm und kellnert in der Kneipe, Teresas Oma (Xenia Pörtner) probt die Graue-Panther-Wohngemeinschaft, Teresas Suppen-Testkunde (Matthieu Carriere) kommt als Müsli-Kontrasttyp ins Spiel. Ein Großstadt-Biotop der Selbstverwirklicher im Ego-Überlebenskampf: Intelligent pointierte Alltagskomik. [PONKIE Abendzeitung, 14.07.1994]

***

So geht es also auch: Mitten im Sommerloch, wo eine Wiederholung die andere jagt und die TV-Sender mit Ausnahme der Fußball-WM keine große Mühe mehr auf das Programm verwenden (wollen), präsentiert das ZDF mit der Mini-Serie „Nur eine kleine Affaire" ein TV-Highlight. Locker und witzig erzählt der Fünfteiler eine Geschichte um Liebesfreud' und Liebesleid, die hier und heute und nicht nur in abgehobenen Autorenköpfen spielt. Gutes Timing (Regie: Detlef Rönfeldt) und eine Besetzung (Jennifer Nitsch als Teresa!), die bis in die Nebenrollen gelungen ist, lassen diese „kleine Affäre" wohltuend aus dem üblichen Serien-Einerlei herausragen. [Daniela Dau, tz, 14.07.1994]

***

Wunder gibt es immer wieder, manchmal sogar im Fernsehen. Noch seltener zwar als früher, dafür kommt's dann um so überraschender. Wenn nicht alles täuscht, hat das ZDF ein kleines Serienwunder vollbracht, und wer's nach all der Billigware nicht glauben mag, der kann sich fünf Wochen lang, immer dienstags, nur wundern. ... [Süddeutsche Zeitung, 12.07.1994]