Familie ist was Wunderbares

Roman

Knaur, 2008

 

Christine Bonhof, Mitte 50, ist Buchhändlerin in einem kleinen Ort vor den Toren Kölns. An ihrem Rockzipfel: eine erwachsene Tochter nebst Freund und Enkelkind, ein ewig unzufriedener und pflegebedürftiger Vater, ein anhänglicher Ex-Ehemann und ein Lebensgefährte, der um seine Wiederwahl als Bürgermeister kämpft. Und so jongliert Christine sich durch ihren aufreibenden Alltag. Denn alle fordern wie selbstverständlich ungeteilte Aufmerksamkeit: von der Mutter und Großmutter, der Tochter, der langjährigen Vertrauten, der Geliebten. Die nicht ganz zufällige Übernahme von Christines Buchhandlung durch eine große Kette, die das Ende ihrer Selbständigkeit und damit ihrer beruflichen Existenz bedeutet, wäre da die ideale Lösung für alle Probleme – zumindest für die der anderen. Als ob das nicht schlimm genug wäre, erreicht Christine die Nachricht, dass die junge Frau ihres geschiedenen Gatten tödlich verunglückte. Was tun mit dem tief verstörten und in Sachen Alltag völlig hilflosen Ex-Mann und seinem neun Monate alten Baby? Und was tun mit dem eigenen Leben, das mehr und mehr von der Familie vereinnahmt wird?

 

Meine Motivation zu diesem Roman und dem Film

 

Nachdem ich mich beim Roman und beim Film „Du gehörst mir“ mit krankhafter Eifersucht und Stalking befasst habe – ein weiteres ernstes Thema nach „Ich habe Nein gesagt“, wollte ich mich filmisch wieder mit etwas so Normalem (oder auch nicht) wie der Familie befassen. Karl Kraus hat einmal gesagt: „Das Wort ‚Familienbande’ hat einen Beigeschmack von Wahrheit“. So empfand ich es auch, und dies gab mir die Gelegenheit, wieder einmal humorvoll und frech eine Geschichte zu erzählen, die vieles beinhaltet, was Familie ausmacht. Ich konnte quasi zu meinen Wurzeln zurückkehren, denn mit Familiengeschichten begann meine Arbeit als Autorin. Es entstand also das TV-Fernsehspiel „Familie ist was Wunderbares“, dessen Protagonistin Christine so sympathisch und überzeugend von Rita Russek dargestellt wurde.

 

Und da mir das Thema so ans Herz wuchs und der Fernsehfilm uns eine so schöne Quote, gute Kritiken und lebhafte Zuschauerresonanz bescherte, entschloss ich mich, auch einen Roman gleichen Themas und mit gleichem Titel zu schreiben, da mir diese Arbeit die Möglichkeit gab, noch ausführlicher zu erzählen und noch tiefer in die Charaktere meiner Figuren einzudringen.

 

Lesermeinungen

 

Annemarie Schoenle hat auch in diesem Buch wieder ihre Fähigkeit, die Realität so hautnah und spannend zu erzählen, klar zu Papier gebracht. Sie versteht es exzellent, die Probleme der Frau als Mutter, Lebensgefährtin, Ex-Frau, Oma, Geschäftsfrau und Vorgesetzte, aber auch die des männlichen Gegenübers sehr transparent zu machen. Hintergründiger und feinsinniger Humor wechseln mit warmherzigen und kaltschnäuzigen Dialogen.

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Dieses Buch (und auch der Film) spiegelt die Realität auf humorvolle Weise wieder, als Mutter von zwei Kindern und Tochter eines gebrechlichen Vaters findet man hier den ganz normalen Wahnsinn wieder. Bei diesem Buch kann man über die täglichen Schwierigkeiten lachen und man sieht seine eigenen Probleme entspannter.

Kann man auch zu viel Familie haben? Ehrlich, das frage ich mich manchmal selber. Und wie weit soll, muss, will man sich einbringen und welchen Preis zahlt man dafür? Was bekommt man zurück?

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In diesem Buch werden sehr viele grundlegende Fragen aufgeworfen. Ja, wirklich leicht wird die Lektüre dadurch vielleicht nicht gerade, besonders wenn man selber mitten in der Thematik steht. Am Ende des Buches hat man wirklich zu viel von all den Familienproblemen.

Trotzdem habe ich das Buch mit Interesse gelesen. Es war unterhaltsam, ohne oberflächlich zu sein. Genau das, was man sich doch als Leser eigentlich wünscht. Manchmal bleibt einem das Lachen ein wenig im Halse stecken, weil die Geschichte oft witzig ist, und trotzdem so nah am Leben, an der Realität, dass es fast weh tut.

Ich erwartete ein Klamauk-Buch und bekam mehr Ernst, als ich erwartet hätte.

Annemarie Schoenle kann schreiben, schaut den Menschen extrem genau auf die Finger, beschreibt das Leben, wie es ist. Sie ist eine intelligente Frau mit viel Gefühl. Ich freue mich auf ihr nächstes Buch.