Wenn Liebe krank macht

Münchner Autorin schreibt Roman über Eifersucht

 

Anja Beer, Abendzeitung München, 15.09.2004

 

MÜNCHEN ■ Es funkt auf den ersten Blick. Melanie und Wolf, beide in den Dreißigern und erfolgreich im Beruf, sind sich auf Anhieb sicher: Sie gehören zusammen. „Ich will dich haben - ganz. Ich will du sein und du wirst ich sein", sagt Wolf bereits nach kurzer Zeit. Doch als die beiden Hals über Kopf heiraten und Melanie in seine Wohnung zieht, erkennt sie schnell, dass mit Wolf etwas nicht stimmt. Er überwacht sie rund um die Uhr, verfolgt sie, droht ihr sogar.

 

Die Münchner Erfolgsautorin und Grimme-Preisträgerin Annemarie Schoenle („Eine ungehorsame Frau") entwickelt in ihrem neuesten Roman „Du gehörst mir" (Droemer Verlag, € 18,9o) ein Drama um obsessive Liebe. Ein Thema, das Schoenle schon lange beschäftigt: „Ich habe mir viele Bücher dazu gekauft und im Internet recherchiert", sagt sie der AZ.

 

„Bei krankhaft Eifersüchtigen beziehen sich die Wahnideen auf reale Ereignisse, die überinterpretiert werden. Wolf Eckart betrachtet jeden Mann, mit dem sich Melanie unterhält, als potenziellen Liebhaber; er ist aber auch eifersüchtig auf die beste Freundin." Aus diesem krankhaften Verhalten entsteht laut Schoenle Stalking, „das bedeutet, dass die Bedrohungen und Belästigungen auch nach der Trennung nicht aufhören".

 

Menschen wie Wolf bedürften ärztlicher Hilfe: „Leider gehen die meisten krankhaft Eifersüchtigen diesen Weg nicht", bedauert Schoenle, in deren Bekanntenkreis viele Frauen unter einem solchen Partner leiden: „Eine Arbeitskollegin von mir hat sich sogar umgebracht, weil sie keinen Ausweg mehr gesehen hat."

 

Schoenle selbst ist zwar verheiratet, „doch weder mein Mann noch ich sind von abnormer Eifersucht befallen", sagt sie. Normal sei es, in der Beziehung Treue und Verlässlichkeit zu fordern und Angst davor zu haben, dass eine Ehe scheitert. „Falsch ist aber das Gefühl: ‚Jetzt gehörst du mir' ", sagt sie. „Jeder Mensch hat Anspruch auf Intimsphäre und Freiräume. Keiner gehört dem anderen."